Ich habe nicht vor zu kapitulieren
Die Ausstellung „Ich habe nicht vor zu kapitulieren“ — Roger Loewig
zeigt bisher unbekannte Filmaufnahmen und stellt die Lyrik des Künstlers in den Mittelpunkt.
Zur Eröffnung gibt der Autor, Herausgeber und Dozent für Kreatives Schreiben Tom Schulz unter dem Titel „Kreuzottern und Nester“ eine kurze Einführung in das lyrische Werk Roger Loewigs.
Roger Loewig ist vor allem als Zeichner und Maler bekannt. Weniger Beachtung fand bislang sein lyrisches Werk. Seine Super-8-Filme wurden noch nie öffentlich gezeigt. Die Ausstellung „Ich habe nicht vor zu kapitulieren – Lyrik und Filme von Roger Loewig“ stellt diese beiden Werkbereiche erstmals ins Zentrum.
Dabei verzichtet die Ausstellung vollständig auf Gemälde und Zeichnungen. Stattdessen sind Faksimiles von Loewigs maschinengeschriebenen Texten zu sehen, in denen handschriftliche Korrekturen und Überarbeitungen den Entstehungsprozess seiner Gedichte sichtbar machen.
Einen besonderen Zugang zu Loewigs Lyrik eröffnen erhaltene Tonaufnahmen mit Lesungen des Künstlers. Betonung, Rhythmus, Pausen und der Wechsel zwischen lauten und leisen, schnellen und langsamen Passagen verleihen den Texten eine zusätzliche Dimension. Wer Loewig selbst gehört hat, liest seine Gedichte anders.
Auch die erstmals gezeigten Super-8-Filme ermöglichen einen persönlichen Zugang zu Loewigs künstlerischer Wahrnehmung. Seine Kamera richtet sich auf Landschaften, natürliche Strukturen, Horizonte und Bewegungen und dient ihm vielfach wie ein visuelles Notizbuch. In Aufnahmen aus Korsika filmt er vom Meer ausgewaschene Felsformationen und anschließend eine davon angeregte Zeichnung – Wahrnehmung und künstlerische Verarbeitung treten unmittelbar nebeneinander.
Andere Filme zeigen sein Berliner Umfeld und die Mauer mit Wachsoldaten, Kettenhunden und Beobachtungstürmen. Zugleich sucht sein Blick immer wieder Weite und Bewegung, etwa bei Vögeln, Flugzeugen und dem Horizont.
Lyrik und Film erscheinen dabei nicht als getrennte Werkbereiche. Motive, Eindrücke und Gedanken wandern von einem Medium in ein anderes. Loewig übersetzt Wahrnehmungen in Zeichnung, Film oder Sprache.
Im Mittelpunkt steht damit nicht nur das fertige Werk, sondern auch der Weg dorthin: Wahrnehmen, Festhalten, Erinnern, Übersetzen und Formulieren. Die Filme lassen nicht nur erkennen, was Loewig gesehen hat, sondern auch, wie er gesehen hat. Die Manuskripte machen sichtbar, wie er an seinen Texten arbeitete, und die Tonaufnahmen lassen hören, was er schrieb und wie er sich seine Texte vorstellte.
Der Titel „Ich habe nicht vor zu kapitulieren“ verweist auf eine Haltung, die Loewigs Leben und Werk durchzieht. Trotz politischer Verfolgung, Haft und Einschränkungen seiner beruflichen und künstlerischen Möglichkeiten hielt er an seinem Sehen, Schreiben und Gestalten fest.
Die Stiftung Roger Loewig Haus dankt der Roger Loewig Gesellschaft e. V. und der Akademie der Künste, Berlin, für ihre freundliche Unterstützung und die Bereitstellung von Materialien für diese Ausstellung.
Die Ausstellung wird mit Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg gefördert.